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29. Juni 2011

VW und die dunkle Seite der Macht

Der mehrfach ausgezeichnete VW-Spot, der seine Premiere beim Superbowl in den USA hatte, läuft nach wie vor auch erfolgreich im deutschen Fernsehen. Ein kleiner Darth-Vader versucht, mittels der „Macht“ verschiedene Dinge zu beeinflussen. Er scheitert jedoch bei allen Gegenständen kläglich – bis auf den neuen VW Passat.

Die Zuschauer amüsiert dieser Spot – sicherlich wurde dieser Effekt auch vom Automobilkonzern beabsichtigt. Dass jedoch der Auftritt des Star Wars Bösewichts Darth-Vader noch zum Problem werden würde, ahnte niemand. Denn der Vergleich mit dem Bösen – besser noch mit der dunklen Seite der Macht – wird dem Konzern jetzt zum Verhängnis.

Im folgenden Video von Greenpeace wird der Spot fortgesetzt. Er zeigt Kinder in weiteren Star Wars Verkleidungen, darunter einen Jedi-Ritter, Meister Yoda, R2D2 und Prinzessin Leia, wie sie mit ihren Laserschwertern versuchen, den kleinen Darth-Vader am Startvorgang des VW Passats zu hindern. Der ruft jedoch den Todesstern zur Hilfe – natürlich mit einem VW Logo versehen – und bringt den Passat schließlich doch noch zum Starten. Daraufhin erscheint der Schriftzug „Joint the Rebellion“. 

VW: the dark side from Greenpeace UK on Vimeo.

Ziel von Greenpeace ist es, mit dem Video auf die Missstände des Automobilkonzerns aufmerksam zu machen. Denn VW verfügt über ein nur schwaches umweltpolitisches Profil. Sie entwickeln zwar Spritsparautos, verkaufen aber überwiegend Spritfresser. Und als sich der Konzern auch noch gegen eine Verschärfung der europäischen CO2-Grenzwerte und gegen eine Festschreibung eines europäischen Klimaziels von 30 % äußerte, war das Maß voll. VW gibt laut Greenpeace jährlich Millionen aus, um zu verhindern, dass das CO2 Reduktionsziel von 20 auf 30 % angehoben wird. Außerdem betreiben sie Lobbyarbeiten gegen strengere EU-Richtlinien. Andere Unternehmen wie z. B. Ikea, Google oder Sony unterstützen bereits solche Vorhaben, die auch dabei helfen, Europa aus der Abhängigkeit des Erdöls zu befreien.

Auf ihrer Website fordern die Umweltaktivisten VW eindeutig dazu auf, es ihnen gleich zu tun und Verantwortung für die Umwelt zu übernehmen. „Als größter Autobauer Europas trägt VW auch die größte Verantwortung“, schreibt Greenpeace auf der Aktionsseite. Weiterhin fordern sie, dass VW-Fahrzeuge bis zum Jahr 2040 komplett ohne Öl auskommen sollen.

Mit einem zweiten Video, dass kurz nach bekanntwerden des Ersten von Greenpeace eingestellt wurde, thematisieren sie eine mögliche Option, mit vereinten Kräften VW von der dunklen Seite zu befreien. In diesem Video erscheint der vermeintliche Todesstern mit einem Banner von Greenpeace und den Schriftzug “Save your Planet“. Dies zwingt den dunklen Mini-Lord in die Knie und alle Beteiligten beginnen zu tanzen.

VW: The Dark Side Episode II from Lucasfilm Ltd on Vimeo.

Neben YouTube sind die Videos auch auf einer von Greenpeace erstellten Social-Media-Website zu finden. Dort kann man sich der Rebellion mittels einer Unterschriftenaktion anschließen. Um die virale Verbreitung zu unterstützen, gibt es neben den angeblich geheimen Plänen ein Jedi-Training. Die eigens erzielten Ergebnisse des Trainings können via Twitter und Facebook verbreitet werden. 

Welche Macht Greenpeace mit einer Social Media Community im Rücken haben kann, bekam vor knapp einem Jahr bereits der Lebensmittelkonzern Nestlé zu spüren. VW äußerte sich bisher sehr bedacht zu den Vorwürfen. Gegenüber FOCUS Online gaben sie folgendes Statement ab:

„Wir können die Kritik von Greenpeace nicht nachvollziehen. Der Volkswagen-Konzern konnte die CO2-Emissionen der EU-27-Neuwagenflotte von 166 Gramm (2006) auf 144 Gramm (2010) reduzieren, dies entspricht einer Reduktion von über 13 Prozent. Wir haben über 20 Konzernfahrzeuge im Modellprogramm, die unter 100 Gramm/km CO2 ausstoßen (…).
Zudem hat es vor rund zwei Wochen Gespräche zwischen Volkswagen und Greenpeace gegeben. In einer Mail von Greenpeace an die Volkswagen-Pressestelle äußert sich Greenpeace positiv hinsichtlich der von Volkswagen erreichten Fortschritte bei der Reduktion von CO2-Emissionen.“

Im Großen und Ganzen ist diese Aktion von Greenpeace eine gelungene Anknüpfung an das erst kürzlich in Cannes ausgezeichnete Video von VW. Im Anbetracht der diesjährigen Atomkatastrophe von Japan sollte man jedoch meinen, dass es zur Zeit wichtigere Themen gäbe, als sich über den CO2 Ausstoß zu streiten. Dennoch sollte auch über dieses Thema gesprochen werden und das hat Greenpeace mit dieser Kampagne sowie vergleichsweise “milden” Mitteln erreicht. Diese witzige Aktion brachte allen Social Media Interessierten ein Lächeln ins Gesicht, was auch Greepeace gut bekommt.

Nun bleibt nur noch abzuwarten, wie der Kampf „Gut“ gegen „Böse“ ausgehen wird, welche Macht sich tatsächlich durchsetzt und ob es zu einem Happy End kommen kann.

Update vom 1. Juli 2011:

“Dieses Video ist aufgrund des Urheberrechtsanspruchs von Lucasfilm Ltd nicht mehr verfügbar”, diese Meldung wird wohl jeder, der zur Zeit bei YouTube nach der Greenpeace-Kampagne sucht, erhalten haben.
Dank Lucasfilm Ltd. kann man nicht nur die aktuelle Kampagne von Greenpeace gegen den Konzern VW nicht mehr sehen, sie haben es geschafft, wegen drei Verstößen direkt ganz Greenpeace von YouTube zu verbannen.
Bisher können die Videos noch auf Vimeo angesehen werden, allerdings ist unklar, wann Lucasfilm auch dort Urheberrechtsansprüche stellen wird. Wir bleiben am Ball.

Quelle: Focus.de

            vwDarkSide

 

 

 

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