25 Mrz 2019

Traut euch, politisch zu sein!

Beitrag von: Leonie Brand

Man kommt heute nicht mehr drum herum, soziale Medien sind politisch. Die „Macht“ und Reichweite von Social Media hat schließlich auch der letzte Politiker für sich entdeckt – damit aber auch die Schattenseiten. Doch wie sieht es andersherum aus? Entdecken auch die Social Media-Giganten die Politik für sich? Oder müssen sie ganz einfach heutzutage politisch sein?

 

 

Grob gesagt, ja, sie tun es. Wo sich die meisten Großkonzerne mit Milliarden-Umsatz bisher ängstlich zurückhielten und befürchteten, einen erheblichen Kundenstamm zu verlieren, da zeigten sich kleine regionale Start-Ups mutig und stellten von Anfang an klar, welche Position sie in welcher Frage beziehen. Doch inzwischen trauen sich auch „die Großen“ immer mehr.

Und zwar zurecht: Jeder dritte Deutsche wünscht sich das sogar – laut einer Studie von yougov insbesondere Millennials. Also eine Zielgruppe, die Social Media intensiv nutzt und über Kaufkraft verfügt. In einem Artikel vom Horizont heißt es weiterhin, dass es letzten Endes entscheidend ist, „ob das Unternehmen eine Grundsatzentscheidung zu einem politischen Thema getroffen hat und diese dann auch auf dem öffentlichen Parkett vertreten möchte“.

Ein weiterer Punkt wäre auch, dass ein Unternehmen sich durch einen besonderen Charakter und durch entsprechende Bilder und Texte von der immensen Flut an Werbung innerhalb der sozialen Netzwerke abgrenzen könnte. In Zeiten, in denen die User meist durch den Feed scrollen, bleiben sie eher bei den Marken hängen, deren „Charakter“ sie mögen und das, wofür sie (ein)stehen. Sie suchen sogar selbst explizit nach ihren Beiträgen.
Dass es für Unternehmen – auch größere – sinnvoll wäre, sich auch in Zukunft dazu durchzuringen, eine klare politische Meinung nach außen zu tragen, bestätigt auch seit einigen Jahren die moderne BWL:
Zum einen anhand der sogenannten Stakeholder-Theorie, die schon länger empfiehlt, nicht nur die Nutznießer und Interessen der unmittelbar Beteiligten (Shareholder) zu berücksichtigen, sondern auch die Gesellschaft, den Staat, die Öffentlichkeit und auch die Umweltverbände.
Und zum anderen der aktuelle Agency Ansatz, bei dem es heißt, dass Unternehmen selbst „soziale Gebilde sind, die die Ansprüche der unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen befriedigen sollten“. Und deshalb sollten Unternehmen nicht nur darauf achten, möglichst viele Produkte oder Dienstleistungen an die Leute zu bringen, sondern auch eine eigene gesellschaftspolitische Position zu vertreten und zu kommunizieren.

Nicht zuletzt könnte man jetzt argumentieren, dass das Ganze recht scheinheilig ist, da es sich in vielen Fällen auch ganz einfach auszahlt, eine bestimmte Haltung zu vertreten (auch Greenwashing genannt). Besonders aktuell – da es erfreulicherweise gerade auch in der Jugend wieder „cool“ zu sein scheint, sich politisch zu engagieren – wirkt es oft einfach nur kalkuliert, wenn sich auch der Markt anpasst und ein ähnliches Vokabular an den Tag legt. Nun folgt ein Unternehmen grundsätzlich einer bestimmten Strategie und agiert dementsprechend mit Kalkül. Und wenn man sowieso schon kalkuliert vorgeht, dann kann man dabei doch auch etwas für die Gesellschaft tun, oder?

Ich finde jedenfalls, es würde den meisten Unternehmen in der heutigen Zeit guttun, sich politisch zu positionieren und so innerhalb vieler Diskussionen im Bereich Social Media eine Haltung einzunehmen. Denn die Kunden wollen nicht mehr einfach konsumieren. Sie wollen bei dem vorherrschenden Überangebot ein Statement mit ihrer Auswahl setzen. Sie wollen ihre „Stimme“ vergeben, beispielsweise für den Umweltschutz. Und das macht letztendlich Kunden zu Fans und die Brand zur Lovebrand. Wäre ja für das ein oder andere Unternehmen vielleicht einen Gedanken wert …

Geschrieben von Leonie Brand.
Hat als Werkstudentin im Content sonst nichts zu tun.
Reißt in 10 Jahren die Weltherrschaft an sich.
Hat seit 1992 definitiv einen an der Waffel.
Singt zu oft „Griechischer Wein“.

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