15 Jun 2012

Ein Appell: Kreativität muss auch was kosten dürfen!

Beitrag von: Benjamin Thomas

Bilder, Videos, Musik – alles ist mittlerweile kostenlos im Internet verfügbar. Zumindest in der Theorie. Und zum Thema Urheber- und Nutzungsrechte gibt es viele verschiedene Meinungen. Die Fragen bleiben aber häufig die gleichen: Wer darf was, wann, wo und warum überhaupt nutzen? Und hinter welcher Datei steckt eine kreative Leistung, die urheberrechtlich schützenswert ist? Oder sind gar alle im Netz verfügbaren Bild-, Ton- und Videoaufnahmen Eigentum von Personen?

An dieser Stelle soll es aber nicht um die Problematik von Urheberrechten im Internet-Zeitalter gehen. Das wäre ein Thema, was nicht mal eben so geklärt werden kann. Ich möchte viel mehr darüber schreiben, wo wir uns als Werbetreibende mit dieser Problematik konfrontiert sehen. Was fragen nämlich Kunden regelmäßig bei uns an? Richtig, schöne Bilder oder Kompositionen.

Und wo finden wir diese? Richtig, im Internet und Stockarchiven wie Gettyimages, iStockphoto, Masterfile und wie sie alle heißen.

                      

Immer die gleichen Gesichter

So weit so gut. Die Quellen haben wir also schon einmal identifiziert. War ja auch nicht schwer. Doch darin liegt bereits das erste Problem: Diese Quellen sind allen Werbeagenturen weltweit zugänglich und diese bedienen sich dort für alle möglichen Kunden, in allen möglichen Branchen, zu allen nur vorstellbaren Themen bezüglich allen möglichen Zielgruppen.

Und so grinsen, starren, lächeln und fixieren uns häufig die immer gleichen Gesichter, egal ob wir ein Plakat für eine caritative Einrichtung sehen oder eine Zeitungsanzeige der Bundeswehr.

Viel Kreativität – wenig Kosten bitte!

Gleichzeitig ist der Arbeitsauftrag an uns natürlich immer, ein Maximum an kreativem Output zu erzeugen und gleichzeitig ein wachsames Auge auf die Kosten zu haben. Jedem wird einleuchten, dass dies nicht immer möglich ist. Wer besondere Bilder haben will, muss eben auch bereit sein, einen angemessenen Preis zu zahlen. Schon alleine, um die Kreativität entsprechend zu würdigen.

Von lizensierten Bildern und Werken will ich hier erst gar nicht anfangen. Für den Fall, dass man mal ein konkretes Briefing für ein Motiv bekommt, ist diesem der Anspruch nach Lizenzfreiheit und räumlicher, zeitlicher und medialer Unbegrenztheit meist inhärent.

Die Katze und der Schwanz

Hier beißt sich also die Katze in den Schwanz. Die Kunden verlangen – natürlich zu Recht – eine kreative Leistung. Diese soll aber möglichst wenig kosten und den Kunden möglichst von anderen Unternehmen (besonders vom Wettbewerber) abgrenzen. Im Idealfall stärkt sie die Einzigartigkeit der Marke und die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit.

Einem einzigen Bild werden hier also verschiedene Aufgaben auferlegt: Es soll kostengünstig, individuell, kreativ und einzigartig. Gleichzeitig müssen die Nutzungsrechte unbeschränkt und die Kosten sehr überschaubar sein.

Mal ehrlich, welches Bild kann das schon leisten?

Zeit ist Geld

Natürlich wollen wir es uns als Werbeagentur auch nicht zu einfach machen. Denn es gibt die – die hoch kreativen und günstigen Fotos. Nur sie sind eben rar gesät, sprich wir brauchen für die Recherche länger als von gestern auf heute.

Hier kommt dann also noch der Faktor Zeit ins Spiel.

Ich denke aber, dass der erste Schritt im Verständnis für die jeweils andere Seite liegt. Kunden sollten verstehen, dass Kreativität manchmal Zeit braucht. Und diese kostet eben Geld. Kreative müssen allerdings auch verstehen, dass sie nicht immer viel Zeit haben können und es manchmal eben schnell gehen muss.

Kreativität ist es wert

Gerade dann, wenn wir über die Kreativität eines Dritten sprechen, sollten wir uns vor Augen führen, was für ein Aufwand hinter einem einfachen Foto stecken kann.

Fotoquelle: http://www.flickr.com/photos/paukrus/4458698990/. Zur Verfügung gestellt von Paukrus.

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